Bienensterben: Meine Leser wollen wissen…

(Foto: greenplaner)

Imker Franz Just steht Leuten bei Problemen und Fragen rund um Bienen zur Seite (Foto: greenplaner)

Meine treuen Follower Udo Woelki und Gerald Schmid stellen einem Imker die Fragen, die sie wirklich interessieren. Franz Just, langjähriger Bienenbeobachter und BUND-Vorstand der Regionalgruppe Oberkirch, gibt Ihnen Antworten.

Udo Woelki: Was ist der Hauptgrund für das Bienensterben: Monokultur, Pestizideinsatz oder Varoa-Milbe?

Mittlerweile lässt sich das nicht mehr trennen. Durch die Zusammenlegung von Äckern und die Bewirtschaftung jedes noch so kleinen Landstücks verschwinden wertvolle Futterpflanzen. Die Biene findet in der von Monokultur geprägten Landschaft kaum noch gesunde Nahrung in wild bewachsenen Flächen und nimmt zwangsläufig Pestizide in sich auf. Vom geschwächten Bienenorganismus profitiert die Varoamilbe. Sie tötet mehr Bienen als die Pestizide, was aber ohne die Vorschädigung nicht möglich wäre.

Gerald Schmid: Könnte eine flächendeckende Umstellung auf ökologischen Landbau das Problem lösen?

Es wäre eine große Hilfe, ist aber sicherlich reine Utopie. Wenn die Bienen verschwinden, hat das katastrophale Folgen, allerdings werden Bienen nicht von heute auf morgen überall aussterben. Regional und bezogen auf die Wildbienen ja, das beobachte ich auch für meine Region, die Ortenau. Hier gibt es statt Milchviehwirtschaft sehr intensiv betriebenen Obstanbau und große Monokultur-Äcker. Innerhalb der letzten 10 Jahre sind bei uns mehrere Arten ausgestorben. Bei den Fledermäusen, die sich von Insekten ernähren, beobachte ich das gleiche: Auch hier werden es Jahr für Jahr weniger.

Udo Woelki: Schädigungen bei Honigbienen-Völkern werden in der Regel schnell von den Imkern registriert und veröffentlicht. Wie sieht die Situation bei den Wildbienen aus?

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Der Imker kontrolliert seine Bienenvölker (Foto: greenplaner)

Hier ist das Mentoring sehr schwierig, da Wildbienen solitär leben, also jede für sich. Auch sind sie kleiner und deshalb schwerer zu beobachten. Was für die Honigbiene gilt, trifft hier aber genauso zu. Dazu kommt, dass Wildbienen in ihrer Nahrung viel spezialisierter sind als Honigbienen.

Udo Woelki: Die Hersteller von Pflanzenschutzmitteln führen an, ihre Pestizide seien amtlich geprüft und bei richtiger Anwendung unbedenklich. Was sagen Sie dazu?

Unbedenklich bedeutet, dass 24 Stunden nach der Kontaminierung noch 51 Prozent der Bienen am Leben sein müssen. Was mit den restlichen 49 Prozent oder nach den 24 Stunden passirt, interessiert hier keinen.

Gerald Schmid: Stimmt es, dass Bienen ohne Zufütterung durch den Menschen schon im Spätsommer verhungern würden, weil sie in der Natur keine Nahrung mehr finden?

Nur, wenn der Imker die letzte Honigernte entnimmt, denn der Honig ist eigentlich die Winternahrung der Bienen und ihres Nachwuchses.

Gerald Schmid: Inwiefern ist der Imker selbst ein Problem für die Bienen?

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Franz Just lässt einen Wintervorrat Honig in den Waben (Foto: greenplaner)

Die Honigbiene ist heute ein Zuchttier genau wie die Milchkuh. Sie wurde auf einen hohen Honigertrag und sanften Charakter gezüchtet. Vielleicht hätte man besser auf ihre Robustheit achten sollen.
Ein Punkt, auf den jeder Imker achten sollte, ist die Behandlung der Varoa-Milbe. Vernachlässigt er das, schadet er nicht nur seinen Völkern, sondern durch Querkontamination auch andere.

Gerald Schmid: Was kann ich in meinem Garten für die Bienen tun?

Wenn in einem Gartenteil auf grünen Rasen verzichtet wird und stattdessen Blühmischungen angepflanzt, ist schon viel geholfen (dabei auf einheimische Pflanzen achten, sonst gedeihen sie nicht richtig). Auch ein Insektenhotel aufzustellen ist eine gute Idee, denn es bietet solitär lebenden Wildbienen und anderen Insekten Unterschlupf.

Udo Woelki: Wie könnte die Kommunal- und Landespolitik den Schutz der Bienen verbessern?

In vielen Städten gibt es Rasenflächen, die man nicht betreten darf – völlig absurd, meiner Meinung nach. Würden diese in blühende Wiesen verwandelt, kämen wir einen großen Schritt weiter. Außerdem wäre es schön, wenn mehr Werbung und Aufklärung betrieben würde. Und ganz klar: Wenn mehr Subventionen in den Öko-Landbau fließen würden.

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Ein Gedanke zu “Bienensterben: Meine Leser wollen wissen…

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