Peak Oil: Vom Ende des Ölzeitalters

Foto: SMelindo auf Flickr

Überall auf der Welt werden neue Erdölreserven gesucht (Foto: SMelindo auf flickr)

Erdöl ist aus unserer Wirtschaft, aber auch unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Transportwirtschaft, Chemie, Flugverkehr und Arneimittelindustrie sind darauf zu mehr als 90 Prozent angewiesen. Was tun wir, wenn das Öl schließlich versiegt?

Die Dokumentarfilmer Jürgen Webermann und Matthias Sdun haben bereits 2009 in ihrem Film „Peak Oil – Bis zum letzten Tropfen“ davor gewarnt, dass die begehrteste Ressource der Welt knapper wird. Viele Staaten haben ihren Peak Oil, d.h. ihre maximale Ölfördermenge, bereits überschritten, während die Nachfrage immer noch wächst. Da unser Wohlstand auf dem schwarzen Gold aufbaut, drohen Engpässe, deren Auswirkungen katastrophal sind. Wir müssen deshalb heute überlegen, wie wir leben wollen, wenn der Treibstoff unseres Industriezeitalters ausgeht.

Filme wie dieser sind noch vor ein paar Jahren als ‚Panikmache‘ bezeichnet worden. Inzwischen diskutieren ernstzunehmende Forscher aber nur noch über den Zeitpunkt des Peak Oil, nicht über die Tatsache an sich. Und darum geht es ja schließlich auch den Umweltaktivisten wie Rob Hopkins oder Dave Cohen: „Nirgendwo ist die Behauptung aufgestellt worden, dass konventionelles Öl in naher Zukunft ‚aufgebraucht‘ sein wird. Bei der Beschäftigung mit dem Peak Oil geht es um etwas anderes: um die fortlaufende komplexe Beobachtung der konventionellen Ölproduktion und der Rentabilität von Ersatzstoffen für diesen wichtigsten fossilen Brennstoff angesichts der zwangsläufig schwindenden Vorräte. Allein die zeitliche Dimension dieses Prozesses steht zur Diskussion.“

Es gibt allerdings auch Leute, die den Peak Oil schlichtweg bestreiten. Das Öl sei kein endlicher Rohstoff, weil es nicht organisch sei – das behauptet der Bauingenieur Hans-Joachim Zillmer. Aus der Annahme, es sei anorganisch, leitet der Autor den Schluss ab, es gäbe nach wie vor „soviel Öl wie es noch nie gegeben hat“, weil: „angeblich leere Ölfelder sich wieder vollgefüllt haben.“

Ich finde es sehr bezeichnend, dass es den Kritikern des Peak Oil schlichtweg an überzeugenden und wissenschaftlich fundierten Argumenten mangelt. Abgesehen davon: Nehmen wir einmal an, die Ölreserven würden sich immer wieder auffüllen – so ist es doch ein himmelschreiender Unsinn, davon auszugehen, wir könnten immer so weitermachen wie bisher. Diese Haltung ignoriert die Erhöhung des CO2 Ausstoßes durch die moderne Industriewirtschaft, die verstärkte Emission von Methan und Lachgas, die das Gleichgewicht des Weltklimas empfindlich stören. Peak Oil und Klimawandel gehören zusammen, sind zwei Seiten einer Medaille.

„Während das Artensterben in beispielloser Geschwindigkeit voranschreitet, die Meere radikal überfischt und die Regenwälder gerodet werden, wird unser Handeln von der Vorstellung geleitet, es handle sich dabei um reversible Prozesse“, schreiben Claus Leggewie und Harald Welzer. Nicht viel dürfte ignoranter sein als die Annahme, der „frivole Zukunftsverbrauch der kapitalistischen Wachstumsökonomie“ hinterließe keine Spuren! Die beiden Kulturwissenschaftler untersuchen die Krise aus gänzlich anderer Richtung als Rob Hopkins und verstehen ihr Buch als „auf aktuelle Daten gestützte Zeitdiagnose mit einem wirklichkeitsnahen Politikentwurf“ – kommen dabei aber überraschenderweise zu ganz ähnlichen Lösungsansätzen wie der Umweltaktivist:

„Wenn rechtzeitig genug Erfindungsreichtum und Vorstellungskraft zur Wirkung kommen, dann kann eine Zukunft mit weniger Öl sehr erstrebenswert sein. Noch haben wir die Wahl. Mit der gleichen Entschlossenheit und Erfindungsgabe, die uns auf den heutigen Gipfel geführt hat, können wir auch den Rückweg meistern.“ (Rob Hopkins)

„Eine Gesellschaft, die die Krise verstehen und meistern will, kann sich nicht mehr auf Ingenieurskunst, Unternehmergeist und Berufspolitik verlassen, sie muss selbst eine politische  werden: Eine Bürgergesellschaft im emphatischen Sinn, deren Mitglieder sich als verantwortliche Teile eines Gemeinwesens verstehen, das ohne ihren aktiven Beitrag nicht überleben kann.“ (Claus Leggewie und Harald Welzer)

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2 Gedanken zu “Peak Oil: Vom Ende des Ölzeitalters

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