Relokalisierung: Einer von vielen Wegen aus der Krise

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In der eigenen Stadt shoppen wie hier in Bremen (Foto: Allie_Caulfield auf Flickr)

Welche Dimensionen der Klimawandel und die Ölkrise annehmen werden, kann niemand genau sagen. Es gilt aber, frühzeitig sinnvolle Strategien für eine lebenswerte Zukunft zu entwickeln. Eine davon stellt Transition Town Gründer Rob Hopkins vor.

Albert Einstein sagte: „Wir können Probleme nicht mit den Denkmustern lösen, die zu ihnen geführt haben.“

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Albert Einstein (Foto: WalkingGeek auf flickr)

Da mit dem Öl der Treibstoff unseres Industriezeitalters knapp wird und die Erde sich in Folge des CO2-Anstiegs erwärmt, wird eine radikale Umwälzung auf wirtschaftlichem, gesellschaftlichem und politischem Sektor nötig. Die Politik in Deutschland ist mit ihrem Plan des Atomausstiegs und ihrer Förderung erneuerbarer Energien ein Vorreiter auf diesem Weg. Aber egal ob hierzulande oder in ganz Europa – die Konsequenzen des Ölfördermaximums werden von der Politik nicht ausreichend bedacht und in zukünftige Planungen einkalkuliert.

„Es besteht weithin die Annahme, man könne eine kapitalistische Konsumgesellschaft – mit ihren Zielen der möglichst schnellen und endlos fortgesetzten Steigerung von Produktion, Absatz, Handelsvolumen, ‚Lebensstandart‘ und Bruttoinlandsprodukt – auch auf der Basis erneuerbarer Energien betreiben“, stellt der Wissenschaftler Ted Trainer fest. Die erneuerbaren Energien werden gewiss eine große Rolle spielen – den westlichen Kapitalismus können sie aber nicht fortsetzen. Ganz einfach, weil ihr Energiegewinn deutlich unter dem des Öls liegt.

Sind die alternativen Energien wirklich Alternativen?

Solarpark in Inden bei Düren (Foto: EnergieAgentur.NRW auf Flickr)

Solarpark in Inden bei Düren (Foto: EnergieAgentur.NRW auf Flickr)

In den 1930er Jahren, als das Öl nur so sprudelte und den Beginn des Automobilzeitalters einleutete, erreichte die Ölförderung das Ertragsverhältnis von mehr als 100:1 – das heißt, jede Energieeinheit, die zur Ölförderung eingesetzt wurde, erbrachte mehr als hundert Energieeinheiten. Bis 1970 war es nur noch 30:1, heute beträgt der weltweite Durchschnitt 20:1. Windenergie dagegen liegt bei 11:1 (ohne der aufwändigen Energiespeicherung bei windarmen Perioden). Photovoltaik erreicht Werte zwischen 2,5:1 und 4,3:1. Wasserkraftwerke schneiden mit 23:1 noch am besten ab. Beim Flüssigbrennstoff, mit dem unsere Gesellschaft über die Runden zu kommen hofft, sieht es nicht besser aus: Biodiesel kommt auf etwa 2:1, Bio-Ethanol aus Getreide erreicht nur 0,8:1-1,6:1.

Die erneuerbaren Energien auszubauen ist ein wichtiger und sinnvoller Schritt – er kann aber nicht der einzige bleiben. Wir können nicht so weitermachen wie bisher, weil uns dazu schlichtweg die Puste ausgeht. Deshalb wird es immer wichtiger, unseren Energieverbrauch drastisch zu reduzieren.

Mit weniger auskommen

Ein Kernbegriff der Transition Bewegung ist ‚Resilienz‘: Die Fähigkeit eines Systems, auf Störungen (wie z.B. Ölkrise) widerstandsfähig zu reagieren, statt gleich in sich zusammenzufallen. Es geht Rob Hopkins darum „für eine Zukunft gerüstet zu sein, in der man mit weniger auskommt: also mehr Selbstversorgung, mehr lokal erzeugte Produkte statt Importe.“

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Der Hamburger Hafen ist einer der größten Warenumschlagplätze (Foto: anders_hh auf flickr)

Im Moment fliegen, fahren und verschiffen wir Nahrungsmittel und Produkte rund um den gesamten Globus. Blieben plötzlich sämtliche Fahr- und Flugzeuge stehen, stünden wir in wenigen Tagen vor einer Ernährungskatastrophe. Das wird so wohl nicht geschehen, es genügt aber schon eine Reduzierung des Kraftstoffes, um den momentanen Verbrauch auf diese Weise nicht mehr aufrecht erhalten zu können.

„Wir könnten einen großen Teil unserer Bedürfnisse stärker lokal befriedigen – natürlich nicht alle, aber sehr viele. Damit wird unsere Wirtschaft widerstandsfähiger und flexibler“, schlägt Hopkins vor. Wenn in Zukunft (wieder) mehr vor Ort eingekauft wird, hilft das den lokalen Metzgereien, Bäckereien und Bauernhöfen und fährt überdies unseren Energieverbrauch deutlich herunter.

Foto: Allie_Caulfield auf Flickr

In der eigenen Stadt shoppen, wie hier in Bremen (Foto: Allie_Caulfield auf Flickr)

„Es geht dabei nicht um eine Wirtschaft ohne Ein- und Ausfuhr, sondern darum, die Wege vom Erzeuger zum Verbraucher zu verkürzen und möglichst viele Waren lokaler Herkunft anzubieten“, so Hopkins weiter. Sein Konzept umfasst viele Aspekte des täglichen Lebens: Baumaterialien, Stoffe, Nutzholz, Energie und Währung könnten lokal produziert und abgesetzt werden.

Utopie oder Realität?

Die sog. ‚Buy local‚ Initiativen sind heute angesagter denn je. „Uns ist es wichtig, die Menschen für die Folgen eines jeden Einkaufs zu sensibilisieren. Wir Einzelhändler wollen Verantwortung dafür übernehmen, dass die Lebensqualität, die wir in unseren Städten und Regionen schaffen und gestalten, auch künftig erhalten bleibt“, so Michael Riethmüller, Vorstandsvorsitzender von Buy Local e.V. und Inhaber der Buchhandlung RavensBuch in Ravensburg. Dass immer mehr Menschen per Mausklick einkaufen, spüren vor allem lokale Händler, die jetzt mit Buy local Initiativen dagegen vorgehen. Seit wenigen Tagen steht der große Internethändler Amazon in der Kritik, seine Riesenumsätze auf Kosten seiner Arbeitnehmer einzufahren. Diese Umsätze fließen ins Ausland, nicht einmal die Steuern zahlt Amazon in Deutschland.

Das Logo einer deutschen  Buy local Initiative

Das Logo einer deutschen Buy local Initiative

Die Verantwortung für die eigene Stadt und das Bewusstsein um die Wichtigkeit lokalen Einzelhandels ist gar nicht so utopisch, wie Rob Hopkins´ Konzept auf den ersten Blick vermuten lässt. Tatsächlich tragen wir schon mit dem Einkauf in unserer Stadt zur Transition Bewegung bei. Überlegt euch also, ob ihr euer nächstes Buch nicht doch beim ortsansässigen Buchhändler kaufen wollt. Und bestimmt gibt es auch bei euch in der Nähe einen Bauernhof, der Biokisten ausliefert.

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2 Gedanken zu “Relokalisierung: Einer von vielen Wegen aus der Krise

  1. Die “ großen“ schauen alle nur auf die Kohle. Trotzdem muss der lokale Einzalhandel eben auch verstehen, dass wer mehr bezahlt auch mehr Leistung-sprich- eine gute Beratung möchte. Da das leider nur sehr selten gegeben ist, werden wir wohl in 20 Jahren alles nur noch online kaufen. Eigentlich schade. Hab z.B. schon so manche Stunde in der Leseecke eines Buchladens verbracht( und da eben auvh Bücher gekauft die ich online nie gefunden hätte) aber da bekomm ich eben nur die subjektive Meinung einer Angestellten( wenn überhaupt) und online die Meinung von 1000. Auch wenn da nicht alles Gold ist was glänzt. Mein Fazit ist, ich Versuch mich erst online zu informieren und kaufe es dann lokal, aber nur wenn ich nicht das Gefühl hab das ich den Verkäufer besser beraten kann als er mich und das kommt leider sehr selten vor.

    • Jetzt würde mich aber doch mal interessieren, ob Du diese Erfahrungen in lokalen Filialen von großen Ketten (Thalia, Hugendubl, Weltbild) gemacht hast, oder in familien-/inhabergeführten kleinen Läden?

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