Rob Hopkins: Das Konzept ‚Transition‘

Foto: Transitionculture.org

Rob Hopkins ist natürlich mit dem Zug nach Deutschland gekommen (Foto: transitionculture.org)

Rob Hopkins, einer der Gründer der Transition Bewegung in England, erklärt, wie man in fünf Schritten eine Transition Town Initiative aufbaut. Sein bildreiche Vortrag bei der Heinrich Böll Stiftung in Berlin wurde per Livestream im Internet übertragen. Überall in Deutschland sahen aktive Transitioners und solche, die es noch werden wollen, zu. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

1. Die gemeinsame Vision

„Die Transition Town Bewegung basiert auf der Idee, dass man Leute nicht dazu bringt, sich angesichts von Peak Oil und Klimawandel zu engagieren, indem man sie in Panik versetzt oder mutlos macht dann erwartet, dass sie etwas bewegen. Anstatt also auf den Klimawandel und die Ölverknappung als einer Katastrophe zu schauen, können wir diese Phänomene als Chance sehen, unsere Lebenseinstellungen zu überdenken.

Mit einer gemeinsamen Vision beginnt es! (Foto: Solylunafamilia auf Flickr)

Mit einer gemeinsamen Vision beginnt es! (Foto: Solylunafamilia auf Flickr)

Schaut man nur auf Peak Oil, dann resultiert daraus die Suche nach neuen flüssigen Energieträgern. Schaut man nur auf den Klimawandel, dann konzentriert man sich auf technische und ökonomische Lösungen. Bringt man beide Themen zusammen, dann entsteht eine gemeinsame Mitte. Und dort gibt es etwas Neues, das zu planen und zu organisieren wäre: nämlich die ökonomische Schrumpfung und Regionalisierung, den Wiederaufbau unserer lokalen Märkte.

Eine Transition Town Initiative beginnt also mit einer Gruppe Gleichgesinnter, die sich angesichts von Peak Oil und Klimawandel dazu entschlossen haben, selbst etwas zu unternehmen – einen Weg aus der Krise zu finden. Diese Gruppe nimmt an einem Training teil, das wir anbieten, um den Initiativen mögliche Lösungsstrategien aufzuzeigen. Wir teilen unsere Erfahrungen mit ihnen, damit sie aus unseren Fehlern lernen können.“

2. Vertiefung und Umsetzung

„Wir müssen unsere Wirtschaft widerstandsfähiger und flexibler gestalten, um sie gegen äußere Krisen abzuschotten.  Auf der einen Seite werden wir ökonomisch zulegen müssen, um eine Infrastruktur für erneuerbare Energien aufzubauen. Auf der anderen Seite müssen wir unseren Energieverbrauch herunterfahren. Um beides zu erreichen, könnten wir einen großen Teil unserer Bedürfnisse stärker lokal befriedigen – natürlich nicht alle, aber sehr viele.

Der Prinzessinnengarten in Berlin ist eines der bekanntesten Projekte (Foto: Best Driver auf Flickr)

Der Prinzessinnengarten in Berlin ist eines der bekanntesten Projekte (Foto: Best Driver auf Flickr)

Damit fangen viele Transition Initiativen an. Sie überlegen, welche Projekte zur Stärkung ihrer lokalen Wirtschaft beitragen. Das können gemeinschaftliche Gärten sein, die auf freien Plätzen in der Stadt angelegt werden. Diese Projekte können sich aber auch mit Energie beschäftigen oder neuen Geldwährungen, kommt ganz darauf an wofür sich die Leute am meisten begeistern.

Transition funktioniert nicht wie ein fertiger Werkzeugkasten. Transition ist ein Katalysator, ein Beschleuniger, und soll Leute in einen Prozess mitnehmen, der sich als historisch, gemeinschaftlich und selbstorganisierend empfindet und offen ist für ein breites Spektrum der Bevölkerung. Es hat also weniger mit dieser klassischen Aktivistenkultur zu tun, die manche Menschen abschreckt.“

3.) Bildung einer Community

„Was wir auf der ganzen Welt sehen, ist, dass die nötigen Voraussetzungen für einen Wandel bereits alle da sind: Die richtigen Leute, das Wissen, die Netzwerke und die Organisationen. Aber sie sind isoliert und abgetrennt. Transition versucht, all das zusammenzubringen, um Geschichte mitzugestalten.

Getreu dem Wahlspruch: Gemeinsam sind wir stark (Foto: Mike Grenville auf Flickr)

Getreu dem Wahlspruch: Gemeinsam sind wir stark (Foto: Mike Grenville auf Flickr)

Deshalb ist es wichtig, dass sich die Transition Initiaven weltweit vernetzen. Innerhalb von vier Jahren haben sich 2500 Transition Initiativen in über 40 Ländern gegründet – und das sind nur die, die bis zu uns vorgedrungen sind. Ich glaube, es gibt noch viel mehr. Wir geben uns den nötigen Rückhalt, denn ehrlich gesagt ist es mitunter schwer, durchzuhalten.

Ebenso wichtig ist der Schritt nach außen. Wir brauchen die Regierungen, auf lokaler und internationaler Ebene. Aber der politische Prozess wird nicht vorankommen, wenn er nicht untermauert ist von einer engagierten, leidenschaftlichen und informierten Bevölkerung, die den Wandel will.“

4.) Aufbau einer Transition Town

Totnes (Foto: Lawrie Cate auf Flickr)

Die bekannteste und älteste Transition Town ist Totnes in England (Foto: Lawrie Cate auf Flickr)

„Transition ist von Ort zu Ort unterschiedlich. In Totnes zum Beispiel ist schon eine Reihe von Projekten gestartet. Wir haben eine Lokalwährung, die unsere lokale Wirtschaft belebt, wir errichten ein von uns Bürgern selbst gegründetes und betriebenes Energieunternehmen, wir sind dabei Land zu erwerben und darauf Gemüse und Obst anzubauen und wir zeigen den Leuten wie das geht. Wir haben außerdem ein nachhaltiges Bauunternehmen gegründet. Wir wollen im Stadtzentrum ein Grundstück erwerben, um daraus ein Gründerzentrum für klimafreundliche Innovationen zu machen. Ein zentrales Projekt ist der von uns sog. Energiesparplan, ein Niedrig-Kohlenstoffplan für die Stadt, um auf den Klimawandel zu reagieren und den Ölverbrauch zu senken. Dieser Plan ist so gut wie fertig.

Es handelt sich also um einen die ganze Kommune umfassenden Prozess, in dem es um Brainstorming, Phantasie und Ideenaustausch geht, der in praktische Anwendung mündet.“

5.) Bekanntmachen

„Der Prozess hat gerade begonnen und soll erst einmal Aufmerksamkeit erzeugen. Er ist erfinderisch, macht Spaß und ist positiv ausgerichtet. Man sollte einfach anfangen, Aufmerksamkeit erzeugen, sich engagieren, mit Spaß und Optimismus an die Arbeit gehen. Mitmachen bei einem Projekt, das historisch ist. Was wir wirklich erreichen wollen, sind ausbaubare Mikrokosmen der Hoffnung und der Möglichkeiten, verteilt über die ganze Welt.

Der Vortrag von Rob Hopkins hat die Green Lectures der Böll-Stiftung eröffnet (Foto: boellstiftung auf Flickr)

Der Vortrag von Rob Hopkins hat die Green Lectures der Böll-Stiftung eröffnet (Foto: boellstiftung auf Flickr)

Peak Oil wird meist dargestellt als eine große Kurve, auf deren Höhepunkt wir uns befinden. Ich drehe das Schaubild um und vergleiche es mit einer tiefen, dunklen Lagune: wir sind jahrzehntelang tiefer und tiefer hinabgetaucht, auf der Suche nach dem Schatz, dem schwarzen Gold. Dabei wurde es immer dunkler um uns herum und wir verloren unsere Umgebung aus den Augen. Es wird jetzt Zeit, dass wir wieder aufsteigen – zurück ins Licht, zurück zu den Menschen und der Gemeinschaft.“

* Um verschiedene Punkte, die gestern nur angedeutet werden konnten, detailierter erklären zu können, habe ich mich entschieden, den englischen Vortrag von gestern um ein älteres Interview Rob Hopkins´ mit Kontext-tv zu erweitern. Das vollständige Interview (mit deutscher Übersetzung) könnt ihr euch hier ansehen.

** Die Reaktion von Renate Künast folgt in wenigen Tagen!
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5 Gedanken zu “Rob Hopkins: Das Konzept ‚Transition‘

    • Das finde ich auch großartig an der Bewegung. Ihre Befürworter sind so voll Optimismus und Hoffnung – allen voran Rob Hopkins. Es war erstaunlich, wie viele Beispiele für funktionierende Transition Initiativen er gezeigt hat. Der Eindruck, dass der Wandel auf der ganzen Welt JETZT schon anfängt bzw. voll am Laufen ist, beeindruckt selbst hartgesottene Pessimisten.

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