Fracking: Der neue Rausch

Sowohl SPD als auch CDU haben angekündigt, Fracking in Deutschland vorläufig zu verbieten. Und das, obwohl mit dem Bewusstsein um die endlichen Ölressourcen weltweit eine fieberhafte Suche nach Alternativen eingesetzt hat. Die Förderung von Erdgas aus den Tiefen der Erde boomt vor allem in den USA. Was hat es damit auf sich? Und warum überwiegen hierzulande die kritischen Stimmen?

Methode

(Foto: www_ukberri_net auf flickr)

Beim Fracking werden Chemikalien in die Erde gepumpt (Foto: www_ukberri_net auf flickr)

Beim Fracking (Hydraulic Fracturing) bohrt man zunächst senkrecht und dann, wo Erdgas gefunden wird, kilometerlang waagrecht. Anschließend kommen Chemikalien, Süßwasser und Quarzsand zum Einsatz, sie werden unter hohem Druck in den Boden gepumpt. Die Gesteinsschicht bricht auf und künstliche Risse entstehen, durch die das Erdgas entweicht. Über die gebohrten Löcher wird es an die Oberfläche transportiert.

Das Gemisch aus Chemikalien, Wasser und Quarzsand wird zum Großteil wieder abgepumpt, ein Teil verbleibt jedoch für immer in der Gesteinsschicht. Das Abwasser, das nach dem Frack-Vorgang zurück an die Oberfläche tritt, ist mit Schwermetallen und radioaktiven Elementen belastet. Dieser giftige „Flowback“ wird in sogenannten Versenkbohrungen einfach unterirdisch verpresst. Die Bohrlöcher betoniert man nach Abschluss der Förderung zu.

Risiken

(Foto: kateausburn auf flickr)

Die Konsequenzen des Fracking für unsere Erde zeichnen sich ab (Foto: kateausburn auf flickr)

Ein Teil der giftigen Flüssigkeit, die in die tiefen Gesteinsschichten gepresst wird, verbleibt dauerhaft im Boden – mit ungewissen Auswirkungen auf Mensch und Natur. In vielen tiefen Gesteinsschichten sind außerdem von Natur aus radioaktive Elemente oder auch Schwermetalle wie Quecksilber enthalten, die durch den Rückfluss des chemischen Gemischs und des natürlich vorkommenden Lagerstättenwassers an die Erdoberfläche treten können. Deshalb warnen nicht nur die Grünen und Umweltschützer vor der Technologie – auch wissenschaftliche Studien bestätigen diese Risiken. Im jüngsten Gutachten des Umweltbundesamtes etwa heißt es: „Mit der Erkundung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten sind neben direkten Umweltauswirkungen (Lärm, Flächenverbrauch, stoffliche Emissionen etc.) auch weitere, zeitlich und räumlichversetzte Risiken für Mensch und Umwelt (indirekte Umweltauswirkungen) verbunden. Dazu gehören z.B. der Aufstieg von Gas und die Kontamination des Grundwassers durch aufsteigende Fluide.“ Deshalb wird empfohlen, zum jetzigen Zeitpunkt und mit dem derzeitigen Stand der Technologie, das Fracking nicht einzusetzen.

Anwendung

Foto: Bayerisches Fernsehen)

In den USA gibt es bereits über 70.000 Bohrlöcher zum Fracken. (Foto: Bayerisches Fernsehen)

In den USA boomt diese Fördertechnologie bereits seit ein paar Jahren. Auch in Deutschland gibt es Fracking schon seit den 1990ern, allerdings im geringfügigen Rahmen und bei herkömmlichen Fördermethoden. Erst die neue (horizontale) Bohrmethode sowie die zunehmende Gier der Konzerne wie etwa Exxon Mobil und BASF, die sich bereits Claims abstecken, nehmen alarmierende Dimensionen an. Während die USA nämlich aus guten Gründen in unbebauten Gebieten frackt, steht in Deutschland kaum unbesiedelter Raum zur Verfügung.

Fracking in Deutschland

Derzeit ist das Fracking hierzulande sehr umstritten, es gibt aber keine verbindliche Regelung, die klarstellt, ob es nun verboten ist oder nicht. Deshalb haben sich nun 700 Unternehmen (v.a. aus der Trinkwasserbranche) zusammengeschlossen, die von der neuen Regierung eine klare Absage an Fracking verlangen. „Solange keine ausreichenden wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen und nicht alle Risiken für Gesundheit und Umwelt bewertet seien und ausgeschlossen werden könnten, wäre der Einsatz der Fracking-Technologie unverantwortlich“, betont das Bündnis gegenüber N24. Tatsächlich haben SPD und CDU vor, die umstrittene Gasförderung aus den Tiefen der Erde vorerst zu untersagen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s