Resilienz: Der neue Film „Connected“ macht Mut

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Connected, von Paul & Kate Maple

Heute ist ein Kurzfilm von Paul und Kate Maple online gegangen, dessen Botschaft Hoffnung lautet. Die Macher beschäftigt die immer wiederkehrende Frage „Was kann der Einzelne bewirken?“.  Sie kommen zum gleichen Schluss wie die Transition Bewegung: viel – wir müssen uns nur zusammentun! 

Die vierköpfige Familie Maple aus England reiste ein Jahr durch Europa, um herauszufinden, wie viele Menschen den Wunsch nach einer umfassenden Veränderung teilen. Sie sprachen mit Wissenschaftlern, Politikern, Unternehmern und den Menschen auf der Straße über den Klimawandel und seine Auswirkungen – das Ergebnis ist ein positiver, manches Mal aber zu einseitiger Film, der den Beginn einer weltumspannenden Bewegung dokumentiert. Unterschiedliche Aspekte, mit denen sich auch die Transition Town Bewegung beschäftigt, strukturieren die 42minütige Motivationsgeschichte (Achtung Spoiler!):

1. Die Behäbigkeit der Politik

Jeder kennt es: wir ärgern uns ständig darüber, keinen Einfluss auf die Politik des Landes zu haben. Filmmacher Paul Maple hakt nach: ist das wirklich so? Dier erste, ebenso simple wie positivierende Formel „Politiker bewegen sich, wenn sich das Volk bewegt“ mag ein wenig zu idealistisch klingen. Michael Rutland (englischer Botschafter) hat aber ohne Zweifel Recht, wenn er sagt: „Es ist schwierig für Politiker, Entscheidungen zu treffen, deren positive Wirkung erst in 20-30 Jahren zu sehen sind. Statt aber nur an die Wiederwahl zu denken, sollten sie lieber etwas tun, wodurch man sich noch in 20-30 Jahren an sie erinnert.“ Adrienne Goehler (deutsche Publizistin) bringt eine weitere Schwierigkeit auf den Punkt: „Die Politik arbeitet in Sektionen: Gesellschaft, Wissenschaft, Landwirtschaft, Wirtschaft, all das sind abgetrennte Bereiche. Aber so funktioniert es nicht mehr. Statt dessen brauchen wir größere, umfassendere Perspektiven, um uns der größten aller Aufgaben zu stellen.“ Das hätte so auch von Rob Hopkins stammen können!

Immerhin ist der Klimawandel das erste globale Problem in der Menschheitsgeschichte, das uns alle betrifft.

2. Die unendliche Ausbeute endlicher Ressourcen

„Es geht nur noch darum, unseren Wohlstand zu mehren, statt um unsere Zukunft“, sagt Prof. Zsolt Boda (Institut für Wirtschaft, Universität Budapest). Dabei ist die Idee des dauernden Wachstums nicht etwa in unserer Evolution einprogrammiert, wie uns viele glauben machen wollen. „Die Wachstumsideologie wurde im 20. Jahrhundert erfunden, um die Erfolge der Politik aufzuzeigen“, erklärt Michael Rutland (englischer Botschafter) und schließt: „Wir sind so sehr vom Wachstum eingenommen, weil wir vergessen haben, was uns glücklich macht.“ Kinder etwa, so führt es uns Connected vor Augen, brauchen keine teuren Computer, um glücklich zu sein – sondern wünschen sich häufig einfach nur mehr Zeit mit ihren Eltern. Das kostet nichts. Insofern bedeutet der Schritt zurück nicht etwa einen Verlust, wie manch einer glauben könnte.

3. Neue Medien, neue Wege

Da die Medien ihrer Verantwortung, die wichtigsten Ereignisse wahrheitsgetreu zu erklären, nicht mehr vorbehaltlos nachkommen, holen wir uns Informationen aus dem Internet. Dort eröffnen sich zahlreiche Möglichkeiten, als Einzelner Einfluss zu nehmen (über Petitionen, Emails an Politiker etc.). Die Botschaft des Films lautet: Nicht mehr die Politiker bestimmen das Leben, sondern die Gemeinschaft findet ihre Stimme im Internet. Insofern es die ganze Welt vernetzt, steht man plötzlich nicht mehr allein, sondern findet seine Gefühle widergespiegelt in einem Meer aus Individuen. Die Vernetzung ist ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil der Transition Bewegung. Sie begründet sich in der Überlegung, als weltumspannendes Netzwerk lokal wirkender Gemeinschaften viel widerstandsfähiger gegen große Krisen (Wirtschaftskrise, Klimawandel) zu werden. Das bedeutet das von den Transitioners so häufig eingesetzte Schlagwort „Resilienz“.

4. Die Stimme der Bewegung

„Wenn wir uns alle zusammentun, können wir etwas verändern!“ So lautet der immer wiederkehrende Aufruf von Connected. Tatsächlich ist das Argument leicht nachvollziehbar: Sobald man sich mit dem Thema beschäftigt, lassen Frustration und Hoffnungslosigkeit angesichts der alarmierenden Zahlen, Statistiken und Schlagzeilen nicht lange auf sich warten. „Da draußen denken Millionen wie du – vernetze dich mit ihnen!“ fordert deshalb Vita de Waal (Abgeordnete für Grüne Energie in der UN). So wird aus dem, was ein Einzelner bewegen kann, eine weltweite Welle der Veränderung. Genau das will auch Rob Hopkins: “Was wir auf der ganzen Welt sehen, ist, dass die nötigen Voraussetzungen für einen Wandel bereits alle da sind: Die richtigen Leute, das Wissen, die Netzwerke und die Organisationen. Aber sie sind isoliert und abgetrennt. Transition versucht, all das zusammenzubringen, um Geschichte mitzugestalten.“

Mein Eindruck

Sehr vieles überschneidet sich mit den Überlegungen und Zielen der Transition Town Bewegung, einschließlich der positiven Herangehensweise. Gut, der Film ist einseitig und oft zu idealistisch, seine Motiviationsbemühungen tragen fast ein bißchen zu dick auf. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass die Bewegung in Deutschland so präsent ist, wie hier dargestellt wird.

Aber andererseits: es stimmt, wir müssen jetzt etwas tun. Das 2 Grad Ziel ist mittlerweile außer Reichweite geraten, inzwischen spricht die Klimaforschung von 4-5 Grad und einschneidenden Veränderungen bis 2100. Der Zeitpunkt ist da, und je mehr Leute aufgerüttelt werden und sich beteiligen, umso besser! In diesem Sinne: teilt den Film auf facebook und über eure Email-Verteiler. Informiert euch über die Bewegung, setzt euch für fairen Handel, grüne Produkte und die lokale Wirtschaft ein. Sprecht über den Klimawandel und fördert so das Bewusstsein für das Problem, das uns alle betrifft.

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