Lokalhelden: „Wir wollen ‚back to the roots‘, aber mit Blick nach vorn.“

Foto: Lokalhelden

Mona und Kathi führen „Lokalhelden“ (Foto: Lokalhelden)

In ihren kürzlich eröffneten Laden „Lokalhelden“ in Augsburg verkaufen Mona und Kathi Gemüse aus der Region. Zum Laden gehört auch ein Bistro, das „Heldenlokal“, in dem selbstgemachte Feinkost und Kuchen sowie ein täglich wechselnder Mittagstisch mit vegetarischen und veganen Gerichten serviert werden. So findet das übrig gebliebene Gemüse eine leckere Verwendung und es fällt so gut wie kein Abfall an. Ein Projekt im Sinne der Transition Town Bewegung, das eingeschlagen ist wie eine Bombe.

Hallo Mona, euer Projekt steckt noch in den Kinderschuhen und ist bereits jetzt ein großer Erfolg. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

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Tante Emma Laden 2.0 (Foto: Lokalhelden)

Alles fing damit an, dass wir im Winter eine Rote Bete Suppe kochen wollten – sollte ja nicht allzu schwer sein. Aber im Supermarkt haben wir das Wurzelgemüse nicht gefunden. Als Köchin bin ich mit dem Phänomen vertraut: mitten im Winter wird Sommergemüse aus Spanien eingeführt, statt regionales Gemüse zu verwenden. Das wollten wir ändern.

 

Und wie schafft ihr das?

Wir haben uns Lieferanten aus einem Umkreis von 150 km ausgesucht, waren auch vor Ort und kennen alle persönlich. Sie sind in unseren Augen die wahren „Helden“.

 

Warum ist es wichtig, regionale Produkte zu kaufen und saisonal zu genießen?

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Das Gemüse stammt aus der Region (Foto: Lokalhelden)

Erstens spart man auf diese Weise eine Menge CO2, wenn keine langen Transportwege und keine Lagerung nötig sind. Zweitens schmeckt es einfach frischer und natürlicher. Und drittens sehnen sich viele Leute (auch wir) nach mehr Transparenz: Wir wissen, woher unsere Produkte kommen und können dieses Wissen an unsere Kunden weitergeben.

 

Das klingt, als würdet ihr euch schon länger Gedanken über den Klimaschutz machen. Habt ihr schon einmal von der Transition Town Bewegung gehört?

Ja, ich habe den Film „Ökonomie des Glücks“ gesehen und danach gleich Kontakt mit der Transition Initiative Augsburg aufgenommen. Ich dachte mir, die Leute dort können uns bestimmt gute Tipps geben – und so war´s dann auch. Sie kannten einige Lieferanten und haben auch bei der Renovierung des Ladens geholfen. Früher war ich ja eher gegen dieses social networking, aber es hat schon was Gutes. Man fühlt sich ja oft allein auf weiter Flur, wenn man sich viele Gedanken über Konsum und Nachhaltigkeit macht und darüber mit anderen diskutieren will, aber nur auf taube Ohren stößt. Da ist es schön, Leute kennenzulernen, denen es genauso geht.

 

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Köchin Mona macht alles selbst (Foto: Lokalhelden)

Bist du also ein aktiver Transitioner?

Hm, ich weiß nicht so richtig. Ich war jetzt doch schon länger nicht mehr dort. Naja, die Gruppe ist noch sehr klein und gerade erst im Aufbau begriffen. Bei den drei Treffen wurde viel diskutiert, so dass ich mich gefragt habe, ob wir damit tatsächlich etwas bewegen. Man ist ja doch wieder auf einen kleinen Zirkel Gleichgesinnter beschränkt. Es fällt auch schwer, die guten Absichten umzusetzen, da wir ja doch alle sehr in unserem Alltag gefangen sind. Aber ich will auf jeden Fall wieder einsteigen, denn es ist eine gute und wichtige Sache.

 

Zurück zu den „Lokalhelden“: Man könnte ja meinen, es sind vor allem die Ökos und Transitioner, die bei euch einkaufen und essen. Stimmt das?

Überhaupt nicht. Vor der Eröffnung dachte ich tatsächlich, es seien mehr Leute aus unserem Umfeld oder Mütter, die man im Bioladen sieht. Aber es kommen auch viele ältere Leute herein, die zum ersten Mal vegane Gerichte probieren und begeistert sind. Inzwischen haben wir einen bunten Haufen Stammgäste, die jeden Tag hereinschauen. Es ist schön zu sehen, wie ganz unterschiedliche Menschen an einem Tisch sitzen und sich austauschen.

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Im schönen Ambiente lecker essen (Foto: Lokalhelden)

 

Reden wir hier von 10 oder 100 Leuten?

Also ich schätze, wir haben am Tag so um die 100 Kunden. Der „Mittagstisch“ zieht sich oft bis in den späten Nachmittag. Für Kathi und mich ist die Arbeit schnell zu viel geworden, deshalb haben wir vier Angestellte. Offensichtlich spricht das Konzept viele Menschen an.

 

Und nach Feierabend? Wie viel ist dann noch übrig vom Nachhaltigkeitsgedanken?

Unser Lebensstil ist eher bescheiden: Wir machen keine langen Auto- oder Flugreisen, ernähren uns bewusst und verzichten auf Fleisch, weil die heutige Fleischproduktion in unseren Augen zu energieintensiv ist. Auch versuchen wir uns einzuschränken – ich sag jetzt mal nicht verzichten –, aber man sollte generell nicht auf so großem Fuß leben. Das würde uns allen besser tun.

„Lokalhelden“ findet ihr in der Bismarckstraße 10, in 86159 Augsburg. Die Öffnungszeiten sind 10–19 Uhr, Mittwochs geschlossen.

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