Transition Workshop Freiburg: Mitmachen statt Abwarten

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Auf dem Transition Workshop wurde viel diskutiert (Foto: greenplaner)

Am Wochenende rauchten in Freiburg die Köpfe: 25 aktive Transitioner setzten sich mit den dringendsten Fragen unserer Zeit auseinander. Wie wird die Welt in Zukunft aussehen? Was müssen wir heute tun, um sie für zukünftige Generationen lebenswert zu gestalten? Und vielleicht das Wichtigste: Wie erreichen wir mit unseren Ideen noch mehr Menschen? Transition Trainer Gerd Wessling und Tiefenökologin Anaim Gräff standen mit Rat und Tat zur Seite.

Wenn ein Wirtschaftsingenieur mit einem Minimalisten plaudert, eine Studienanfängerin sich von zwei Landfrauen beraten lässt und eine schicke Schulleiterin Tipps zum Kompostieren gibt, befindet man sich entweder in einem abgefahrenen Traum, oder auf einem Transition Treffen. Denn dort ist das völlig normal. Von überall kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, Biografien und Erfahrungen, die eine gemeinsame Vision teilen: Heute den Grundstein für eine lebenswerte Zukunft zu legen, in der das Wachstums-Ideal zugunsten einer ganzheitlichen Lebensweise aufgegeben und der Raubbau des Planeten aufgegeben wurde. Kurz gesagt: In der alle glücklich sind.

Utopisch? Ziemlich.

Ob das wirklich nötig ist? Entscheidet selbst!

Was Transitioner wissen

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Peak Oil und Klimawandel machen eine Veränderung nötig (Foto: greenplaner)

Klimawandel und Peak Oil sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Denn: Mit dem Industriezeitalter begann die massive Förderung von Öl, die in den 2000ern ihren Höhepunkt erreichte (Ölfördermaximum). Weil wir soviele Autos fahren, die Transportwege unserer Rohstoffe mit der Globalisierung so extrem verlängert wurden und die moderne Industrie derart viel Energie benötigt, stieg zugleich der CO2-Gehalt in der Luft. Und der wiederum ist verantwortlich für die Erderwärmung bis 2100 um möglicherweise 3-4 Grad (die dann wiederum zu einer Erhöhung der Meeresspiegel, Verwüstung und Artensterben führen wird). Es sollte also nicht nur versucht werden, CO2 zu sparen, sondern gleichzeitig die Abhängigkeit vom Erdöl zu minimieren. Beides erreicht man über Relokalisierung, Energiesenkung, Resilienz und der Wiederentdeckung des bescheidenen Lebens. Wer jetzt skeptisch die Braue hebt, sollte einmal in die Zeitschriftenständer schauen: Rückzug, Entschleunigung und die Wiederentdeckung der „guten alten Zeit“ boomt seit ein paar Jahren derart, dass man sich den „Land“-Heften kaum entziehen kann. Die Sehnsucht nach einer langsameren, geerdeteren und gemeinschaftlichen Lebensweise ist keineswegs nur Statement der Transition Bewegung, sondern Ausdruck unserer modernen Gesellschaft, die sich langsam bewusst wird, was sie alles vergessen hat.

Was Transitioner nicht wissen

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Open Space am Sonntag (Foto: greenplaner)

„Transition ist ein junges Modell und ein großes Experiment“, erklärt Gerd Wessling. Er ist von Anfang an dabei, gründete 2009 die erste Initiative hierzulande und half beim Aufbau einer deutschen Transition Bewegung. „Wir kennen die Antworten auf die großen Fragen selbst nicht. Wir wissen nur, dass es wichtig ist, jetzt nach den Lösungen zu suchen. Jeder einzelne Mensch besitzt Fähigkeiten, Erfahrungen und Ideen, die uns helfen können einen Weg in eine postfossile Zukunft zu finden.“

Das Transition Modell gründet auf ein paar Grundüberlegungen, etwa: langfristige statt kurzfristige Lösungsstrategien, Vielfalt statt Einfalt, achtet bei dem was ihr tut auf eure Mitmenschen und die Natur. Die Einladung, darüber hinaus selbst Lösungen für den eigenen Standort zu finden, haben in den letzten 5 Jahren weltweit 5000-6000 Initiativen in 43 Ländern angenommen. Das Modell ist Ausdruck einer Welle der Selbstermächtigung, die derzeit um die Erde rollt. „Wir wollen nicht mehr abwarten, bis die Politik etwas unternimmt“, sagt eine Workshop-Teilnehmerin stellvertretend für die Gruppe. „Wir sind das Volk, wir haben es in der Hand Veränderungen einzuleiten. Je mehr wir werden, desto weniger können uns die Staatsoberhäupter ignorieren.“

Worum sich Transitioner bemühen

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Freude und Spaß kommen nicht zu kurz (Foto: greenplaner)

Transition möchte die Menschen weltweit ansprechen und bewegen. Statt auf Horrorszenarien zu bauen, wie viele andere Umweltschutz-Organisationen, entwerfen Transitioner positive Visionen der Zukunft und vermitteln damit das Gefühl: ‚Jeder kann die Welt verändern. Auch du.‘ Deshalb gibt es nichts, das man mitbringen muss – Carnivoren sind ebenso willkommen wie Vielverdiener mit großem Auto, inspirierte Theoretiker ebenso wie anpackende Gärtner. Nötig wird nur irgendwann der innere Wandel, an dem die Herz-Seele-Gruppen arbeiten. Das klingt jetzt esoterischer als es ist, denn tatsächlich geht es mehr um den Umgang mit unbequemen Wahrheiten, Kommunikation und Gruppendynamik als um spirituelle Sinnsuche. Tatsache ist aber, dass Transition bereits von Anfang an die äußere Veränderung und den inneren Wandel als Einheit betrachtet hat. Was so falsch nicht ist, denn es fällt tatsächlich schwer, sich mit Klimawandel & Co. auseinanderzusetzen, ohne innerlich resilient (d.h. widerstandsfähig) zu sein. Mehr zum Thema Innerer Wandel lest ihr demnächst im Interview mit Anaim Gräff.

Warum denn nicht?

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Danke, es hat Spaß gemacht! (Foto: greenplaner)

Ja, Transitioner sind im Allgemeinen Utopisten. Idealisten. Vielleicht auch Walldorfschüler, Esoteriker und Träumer. Und das ist auch gut so! Wir bräuchten noch viel, viel mehr von ihnen. Diese Menschen haben sich entschieden – entgegen aller Widerstände, Misserfolge und Ignoranz – die Welt ein Stückchen besser zu machen. Eine Zukunft für uns zu errichten, in der wir leben können. Nicht nur für sich selbst, sondern für all die Weggucker, Ignoranten und Egozentriker da draußen.

Und dafür haben sie unseren Respekt und unsere Dankbarkeit verdient!

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2 Gedanken zu “Transition Workshop Freiburg: Mitmachen statt Abwarten

  1. Pingback: Kurs Werkzeuge des Wandels 2013 in Freiburg (Training for Transition) - Transition Town Freiburg

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