Energiewende: Bürger fordern mehr Engagement von der Regierung

Foto: Joerg Farys

Für eine lebenswerte Zukunft (Foto: Joerg Farys)

Die Engländer sind uns ja ein bißchen hinterher, muss man ja mal sagen. 2006 gehörte Rob Hopkins mit seinem Energieprojekt Totnes zu den Pionieren in Großbritannien. In Deutschland allerdings investieren Privatleute und bürgerliche Genossenschaften bereits seit den späten 1980ern in die Energiewende. Wir sind damit die Vorreiter eines Strukturwandels, der jetzt zu scheitern droht.

Kalter Wind pfeift über das waldfreie Gipfelplateau der Hornisgrinde. Ein feuchter Bohlenweg führt über das Hochmoor zu einem Aussichtsturm auf dem Berg. Von hier eröffnet sich ein herrlicher Blick über die Höhen des Schwarzwalds, das Rheintal und die Vogesen. Direkt daneben stehen der riesige Sendeturm des SWR und drei große Windräder, die vor 20 Jahren von Peter Griebl installiert wurden. Die erste Windkraftanlage Baden Württembergs entstand aus dem Wunsch eines einzelnen Mannes heraus, „etwas zu bewegen und ein Zeichen zu setzen“, so der Initiator. Davon ließ sich auch die Bürgerinitiative Schönau leiten, als sie – noch fünf Jahre früher – die Idee entwickelte, das Stromnetz zu kaufen, um die Idee einer ökologischen Energieversorgung selbst umzusetzen.

Ursula Sladek, Vorstand der Netzkauf EWS eG und Mitbegründerin der Elektrizitätswerke Schönau (EWS), sagt über ihre Ziele:

Nach einigen Konflikten befindet sich das Stromnetz der Schwarzwald-Gemeinde seit 1997 in Bürgerhand. Inzwischen hat sich das Netzgebiet vervielfacht und die EWS sind einer der großen bundesweiten Ökostromanbieter. Für ihr umweltpolitisches Engagement ist Ursula Sladek am 27. Oktober 2013 mit dem höchstdotierten Umweltpreis Europas ausgezeichnet worden.

Bürgeranlagen liefern viermal mehr grünen Strom

Eine jüngst veröffentlichte Studie von trend:research zeigt: Insgesamt liegen 47 Prozent der bis Ende 2012 installierten Leistung aus Erneuerbaren Energien in der Hand der Bürgerinnen und Bürger. Bürgerenergie kommt damit auf einen fast viermal so großen Anteil wie die Energieversorger, die nur 12 Prozent der Anlagen zur Erzeugung erneuerbaren Energie besitzen. Im Juli 2012 waren beispielsweise Solarkraftwerke mit einer Kapazität von 34.500 Megawatt am Netz. Zum Vergleich: Braunkohle- und Atomkraftwerke brachten es zur gleichen Zeit auf rund 17.000 und 12.000 Megawatt Leistung. „Die sogenannte Energiewende ist bisher stark durch das finanzielle Engagement der Bürgerinnen und Bürger geprägt“, betont Dirk Briese, Geschäftsführer von trend:research. Zu den Akteuren der Bürgerenergie gehören nicht nur Privatinvestoren wie die Familie Griebl mit ihren Windrädern auf der Hornisgrinde, oder Bürgerenergiegesellschaften wie die Elektrizitätswerke Schönau, sondern jeder, der Genossenschaftsanteile erwirbt oder mit einer Spende der örtlichen Schule zu Solarzellen auf dem Dach verhilft.

(Foto: trend:research)

So verteilt sich die Energie in Bürgerhand (Foto: trend:research)

Das ist freilich heute nicht mehr so einfach. Das erste Projekt in Schleswig-Holstein lief dieses Jahr nur schleppend an, was sicher nicht nur am Mindestanteil von 1000 Euro für eine Beteiligung liegt. Das Vertrauen der Bürger in die Energiepolitik der Bundesregierung und das EEG ist in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen. Das verwundert nicht angesichts ständiger Reformen des Gesetzes und schwammigen Aussagen der führenden Politiker. Zudem üben die großen Energiekonzerne Druck auf Berlin aus, um nicht noch mehr Marktanteile zu verlieren.

Wird die Energiewende am Koalitionsvertrag von CDU und SPD scheitern, der kaum auf eine Fortführung im bisherigen Umfang hoffen lässt? „Wir stehen an einem Wendepunkt“, vermutet Gerd Wessling, Transition Trainer und Sprecher des Transition Netzwerks Deutschland. „In den letzten Jahrzehnten war jeder irgendwie ein bißchen grün. Das war gesellschaftlich opportun. Aber ich habe das Gefühl, dass das langsam wieder abnimmt.“ Welchen Einfluß die Große Koalition auf die Energiewende und die Bürgerbewegung nimmt, kann noch niemand voraussehen. Doch ist es wichtiger denn je, sie daran zu erinnern, „dass die Energiewende in einem breiten Konsens beschlossen worden ist und auf einem breiten und stabilen überwältigenden gesellschaftlichen Fundament steht“, findet auch Umweltminister Franz Untersteller im Interview mit der Wochenzeitschrift Kontext.

Stellvertretend für viele Bürger wünscht sich Ursula Sladek:

Wandel von unten

Ein dezentrales Energienetz in Bürgerhand trägt nach dem Transition Modell zur Stärkung der Resilienz (d.h. Widerstandskraft) lokaler Wirtschaft bei. Erstaunlich ist, dass wichtige Ziele des Transition Modells hierzulande bereits umgesetzt werden, ohne dass die Akteure jemals von der Bewegung gehört hätten. Das Energiewendemodell, das Rob Hopkins im Transition Handbuch als „positive, lösungsorientierte Methode“ vorstellt, um „Menschen einer Gemeinde zusammenzubringen und auf kommunaler Ebene nach Wegen zu suchen, um auf Klimawandel und Erdölverknappung angemessen zu reagieren“, vollzieht sich in Deutschland quasi von selbst.

Und hier findet ihr die Energiebürger, ihre einzelnen Initiativen und Ideen: die-buergerenergiewende.de

P.S. Ich habe keinerlei Einfluss darauf, welche Videos youtube euch anzeigt, nachdem ihr meine eingebetteten Filme angesehen habt.

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