Tauschen, leihen, helfen: Nachbarschaft 2.0

Bohrer ausleihen, Katzen sitten, Hinterhof begrünen: Über Internet-Plattformen wie allenachbarn.de soll die gute Nachbarschaft wieder mehr gepflegt werden. Ich probier das mal aus.

Screenshot bei der Anmeldung auf www.allenachbarn.de

Screenshot bei der Anmeldung auf http://www.allenachbarn.de

An sich eine gute Idee: Nur weil ich ein Bild an die Wand hängen will, kaufe ich mir keine Bohrmaschine, sondern leihe sie beim Nachbarn! Im Internet liegen Sharing-Plattformen voll im Trend. Nach dem Prinzip funktioniert auch allenachbarn.de, die Plattform für unmittelbare Nachbarschaftshilfe. Von 2006 bis 2009 unter dem Namen Leihbasis.de bekannt, war sie die erste nichtkommerzielle Verleihplattform in Deutschland. Ich melde mich mal an.

Die Webseite kommt jung und modern daher, und das Durchschnittsalter der Community liegt wohl auch unter 30. Beim Anmelden gleich mal ein Pluspunkt: Die Frage, was ich zum Tauschen anbieten kann oder womit ich meine Nachbarn unterstützen möchte, setzt am richtigen Punkt an, nach dem Motto „Wenn du die Welt ändern willst, fang bei dir selbst an!“

Dann ein Nachteil: Man muss sämtliche Daten eingeben und wenn man nicht anschließend auf die Idee kommt, die Einstellungen zu ändern, sieht das auch jeder. Okay, ich will Nachbarn finden und die sollen mich finden – aber in Zeiten von Datenschutz-Diskussionen wirkt das vielleicht abschreckend.

Witzig ist die Idee des interaktiven Briefkastenschildes: Über einen QR-Code erfährt der Briefträger, wo er mein Päkchen abgeben soll, wenn ich nicht da bin. Nette Spielerei – aber welcher Paketbote macht sich die Mühe?

 

(Foto: allenachbarn.de)

Auf einen Blick sehen, wer was wo ausleiht und wer mir helfen kann (Foto: allenachbarn.de)

Nach der Anmeldung kann´s losgehen: Über die Postleitzahl werden meine Nachbarn aufgespürt, mit denen ich fortan gärtnern, heimwerken oder Bürgerwindräder planen kann. Userin Yvonne K., aus Mainz kommentiert die Webseite positiv:Werkzeug gesucht, Freunde gefunden.“ Schön, wenn das klappt – nur leider ist die Community mit knapp 700 Nachbarschaften in ganz Deutschland noch recht überschaubar und in meinem Umkreis hat sich noch niemand angemeldet. Andererseits laufen solche Sachen bei uns auf dem Land vielleicht auch noch ein bißchen anders: Dinge ausleihen, Pakete annehmen, überschüssige Kirschen aus dem Garten verschenken ist kein Ding der Unmöglichkeit, wenn man von sich aus auf die Leute zugeht und ab und an ein paar Worte wechselt.

In der Stadt scheint der persönliche Kontakt im direkten Umfeld dagegen verkümmert zu sein. Der Ansatz von Matthias Hueber, Geschäftsführer von allenachbarn.de, setzt genau da an und berücksichtigt Transition-Überlegungen:

„Ziel muss sein, einen möglichst umfassenden Prozess anzustoßen, der so viele Menschen als möglich für regionale Inhalte aktiviert und Verantwortungsgefühl für das direkte Umfeld (wiederer-)weckt. Dann kann sich eine bürgerliche und selbstbewusste Demokratie vor Ort entwickeln, die die Lebensverhältnisse unmittelbar und aus eigener Kraft nachhaltig verbessert.“

Mein Fazit: Gute Idee, gute Umsetzung, nur noch mehr User braucht es, damit daraus ein echtes Nachbarschafts-Netzwerk entsteht. Hier geht´s gleich zur Anmeldung.

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