Umweltbildung: Neuer Studiengang in Deutschland

Viele junge Leute wollen nach dem Abitur „was mit Umwelt machen“. Die PH Weingarten stellt jetzt den neuen Bachelor-Studiengang „Umweltbildung“ vor – was es damit auf sich hat, erklärt Prof. Dr. Michael Ewig im Interview.

 

(Foto: PH Weingarten)

Wissen in der Natur vermitteln (Foto: PH Weingarten)

Einen Bachelor-Studiengang „Umweltbildung“ gibt es bis dato nicht in Deutschland. Was kann ich mir darunter vorstellen?

Die Studierenden lernen, wie sie Kindern und Erwachsenen nachhaltiges Denken und Handeln vermitteln. Dafür müssen sie selbst über profundes Fachwissen in Biologie, Geografie, Wirtschaft und Psychologie verfügen, was sie sich im ersten Teil ihres insgesamt siebensemestrigen Studiums aneignen. Ab etwa der Mitte des Studiums verlagert sich der Schwerpunkt dann in Richtung Umweltpädagogik und Exkursionsdidaktik.

Das klingt nach einer ziemlich trockenen, theorielastigen ersten Hälfte.

Überhaupt nicht. Zu den Vorlesungen und Seminaren wird es Übungen in der Natur geben, wie bei einem normalen Biologie-Lehramtsstudium. Aber um hinauszugehen und Pflanzen zu bestimmen, muss man diese eben erstmal erkennen lernen.

Also zusammen mit den Lehramts-Kandidaten?

Während der ersten Studienhälfte finden einige Veranstaltungen gemeinsam statt, ja. Aber das ist auch ein Vorteil: So lernen sich spätere Bildungspartner kennen und vernetzen sich. Ab der zweiten Hälfte steht der Lebensraumbezug im Vordergrund, dann haben die Umweltbildner eigene Kurse wie Umweltrecht und -politik. Ihr Wissen vertiefen sie in einem Praxissemester, um die späteren Arbeitgeber kennenzulernen.

Prof. Dr. Michael Ewig hat den Studiengang mit entwickelt (Foto: PH Weingarten)

Prof. Dr. Michael Ewig hat den Studiengang mit entwickelt (Foto: PH Weingarten)

Was wären denn spätere Arbeitgeber?

Beispielsweise Umweltbildungseinrichtungen oder Naturschutzzentren (eine Liste gibt es hier). Denkbar wäre auch, dass die Absolventen in der Nachmittagsbetreuung an Ganztagesschulen tätig werden.

Welche Voraussetzungen muss ein Interessent mitbringen, um angenommen zu werden?

Ganz allgemein natürlich die Hochschulreife. Wenn wir bis zum Anmeldeschluss am 15.07. mehr Bewerbungen als Plätze (25) bekommen, werden wir u.a. die Biografien der Bewerber beim Auswahlprozess berücksichtigen. (Direkt zur Anmeldung)

Sie und Ihr Kollege Prof. Dr. Schwab haben das Konzept maßgeblich entwickelt. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Wir haben vor etwa drei Jahren angefangen, über einen neuen Studiengang im Bereich Umwelt nachzudenken. Viele Absolventen aus der klassischen Biologie oder Geografie landen über berufsbegleitende Fortbildungen in der Umweltbildung – das wollen wir ohne Umwege möglich machen. Unser Ziel ist es, einen direkten Weg in ein sehr attraktives, zukunftsfähiges Arbeitsfeld zu ebnen.

Warum gerade jetzt?

Die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ geht ins letzte Jahr. Da halten wir es für sinnvoll, noch einmal einen neuen Studiengang ins Leben zu rufen, der Wissen vermittelt über globale Herausforderungen sowie die komplexen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Ursachen solcher Probleme wie etwa dem Klimawandel.

Die Frage war nun: Was können wir in Weingarten leisten? Wir sind auf das klassische Lehramtsstudium ausgerichtet und haben zudem Kompetenzen in Biologie, Geografie, Wirtschaft und Bildungswissenschaften. So ist der inhaltliche Kern des Studiums zu Stande gekommen.

Bachelor-Studiengang Umweltbildung an der PH Weingarten (Foto: PH Weingarten)

Bachelor-Studiengang Umweltbildung an der PH Weingarten (Foto: PH Weingarten)

Und wie ist die Resonanz darauf?

Ein Student sagte kürzlich zu mir, wenn er gewusst hätte, dass dieser Studiengang entwickelt wird, hätte er noch gewartet und nicht auf Lehramt studiert.

Tja, das ist Pech. Oder kommt der Studiengang auch für Studenten in Frage, die bereits etwas anderes angefangen haben?

Ja, beispielsweise für Referendare, die merken, dass die Schule doch nicht das richtige ist. In solchen Fällen könnten wir einen Teil der Leistungen anrechnen, so dass diese Interessenten sich einige Wiederholungen sparen und früher mit der Vertiefung im Bereich Umweltbildung anfangen können. Absolventen anderer Studiengänge kann man als Weiterbildung im Bereich Umweltbildung Masterstudiengänge empfehlen, wie es sie beispielsweise in Rostock, Eberswalde oder ab dem Wintersemester 2014/15 an der PH Karlsruhe gibt.

 

Der Abschluss qualifiziert die Studierenden zu ausgewiesenen Experten für Bildungsarbeit im Umwelt- und Nachhaltigkeitsbereich – ein Berufsbild, das in Zukunft immer mehr gefragt sein wird. Vielen Dank, Prof. Ewig, für das erhellende Interview!

 

 

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Ein Gedanke zu “Umweltbildung: Neuer Studiengang in Deutschland

  1. Wer im Umweltbildungsbereich einmal ernsthaft auf Jobsuche war, weiß wie schlecht die Chancen sind. Von wegen zukunftsweisend… Es fehlen finanzielle Mittel für die Umweltbildung. Fraglich ist ob man als studierter Experte von den paar Nachmittagsstunden an einer Ganztagesschule oder einer halben Stelle in der Umweltbildung an irgendeinem Institut leben kann und will.

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