Wachstum – Drei Positionen im Vergleich

Jetzt aber mal ernsthaft: „Weiter so“, „Weniger ist mehr“ oder „Grün wachsen“ – ja wie denn nun? Wer sich Gedanken zum Thema Wachstum macht, stößt auf unterschiedliche Ansätze, die ich kurz vorstellen möchte.

„Weiter so“

(Bild: Adrian Ritter)

„Wir haben Probleme vor uns, für die es keine gemütlichen Lösungen gibt“, so Prof. Dennis L. Meadows. (Bild: Adrian Ritter)

Eigentlich sollte „Weiter so“ keine Option sein, nachdem der Ökonom Dennis L. Meadows 1972 (!) in „Limits to GrowthGrenzen des Wachstums“ der breiten Öffentlichkeit erklärte, dass die unendliche Ausbeute der endlichen Ressourcen unserer Erde nicht funktionieren kann. Im Moment wird heiß diskutiert, ob wir den „Peak“, also die maximale Fördermenge der Rohstoffe, bereits überschritten haben oder nicht. Aber Vielen scheint das egal zu sein, immerhin halten die weltweiten Reserven an fossilen Brennstoffen noch gut 80 bis 120 Jahre. Das Problem ist nur, dass wir 2,795 Gigatonnen Kohlendioxid freisetzen, wenn wir alle Reserven nutzen. Allerdings sollten wir nicht mehr als 565 Gigatonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre pusten, um die Erderwärmung bei maximal 2 Grad zu halten – sonst wird´s heiß, auch in Deutschland. Nicht die Erschöpfung der Rohstoffe ist also das Problem, sondern deren exzessive Nutzung. Meadows erklärt deshalb, dass das Konsumniveau der Menschheit drastisch sinken muss, während eine restriktive Bevölkerungspolitik die Geburtenrate senkt.

Das ressoucenfressende, energieintensive Wachstum der letzten hundert Jahre hat zu diversen ökologischen Krisen geführt. Dass wir in Begriff sind, die Belastungsgrenzen unserer Erde zu überschreiten, dürfte inzwischen jedem klar sein – nur, was können wir jetzt tun?

„Weniger ist mehr“

(Foto: Niko Paech)

„Schon jetzt erprobt eine Avantgarde neue Lebensstile, die mit wenig Energie und Produkten auskommen“, weiß Niko Paech (Foto: privat)

Eine Option ist der „Ausstieg aus der Wachstumsfalle“. Die Sehnsucht nach Entschleunigung, die Hinterfragung des Konsums und eigene Ansprüchen ist für Viele eine Alternative zum „Weiter so“. Doch um den Klimawandel aufzuhalten, reicht das noch lange nicht. „Wir haben keine andere Wahl, als unser unrettbares Wohlstandsmuster aufzugeben“, sagt Ökonomie-Professor Niko Paech. Um zu einer stabilen „Postwachstumsökonomie“ zu gelangen, müssen Lebensstile, Versorgungsmuster, Produktionsweisen und institutionelle Innovationen grundlegend verändert werden. Das Modell einer Postwachstumsökonomie nach Paech sieht folgendes vor: Der Einzelne befreit sich von Konsum- und Komfortkrücken und besinnt sich auf die Dinge, die ihn glücklich machen. Wirtschaftlich entsteht eine Balance zwischen Selbst- und Fremdversorgung durch eine minimierte industrielle Produktion mit kürzeren Wertschöpfungsketten. Urbane Subsistenz, Community-Gärten, Tauschringe, Netzwerke der Nachbarschaftshilfe, Verschenkmärkte etc. machen das System weniger störanfällig für äußere Krisen.

Das erinnert alles ein bißchen an die Überlegungen von Transition Town Mitgründer Rob Hopkins. Dieser sagte bei der Buchvorstellung von „Einfach. Machen. Jetzt.“ 2014 in Deutschland: „When our children would grow and grow and grow, we´d be terrified. Nature stops them at right time and then they´re getting just kinder and wiser…and that´s what our economy should do, too. But it doesn´t.“ Bei aller Kritik an der herrschenden Wachstumsideologie und seinen Ideen zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise, weiß er jedoch auch: „We have to be realistic about who we are. A lot of people like to go shopping and don´t care about the future.“

 „Grün wachsen“

(Foto: focus.de)

„Wir müssen den Übergang vom fossilen Idustriezeitalter zu einer ökologischen Produktionsweise schaffen“, sagt Ralf Fücks. (Foto: focus.de)

Das gibt auch Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, in seinem Buch „Intelligent wachsen“ zu bedenken: „Es mag sein, dass für eine zunehmende Zahl von Menschen materielle Bedürfnisse zweitrangig gegenüber dem Wunsch nach Zeitwohlstand und Selbstentfaltung werden. Aber die große Mehrheit der Erdenbürger ist in umgekehrter Richtung unterwegs. Nicht ob die Weltwirtschaft weiter wächst – denn das wird sie, man blicke nur nach China und die Entwicklungsländer, die erst noch dorthin wollen wo Europa jetzt ist -, sondern wie sie wächst.“ Fücks sieht die Herausforderung darin, den ökologischen Fußabdruck der Menschheit zu reduzieren, während gleichzeitig der Wohlstand der breiten Masse wächst. Machbar wird das nur, wenn es uns innerhalb weniger Jahrzehnte gelingt, die Industriegesellschaft komplett umzubauen: „Von fossilen zu erneuerbaren Energien, von endlichen auf nachwachsende Rohstoffe, von der Verschwendung knapper Ressourcen zu maximaler Effizienz, von der Wegwerfgesellschaft zur Kreislaufökonomie, von der Ausplünderung der Natur zur Koproduktion mit der Natur.“ Zahlreiche Forschungsprojekte sind bereits auf dem Weg, das Vorbild der Natur zu verstehen und nachzuahmen. Bioökonomie, Biotechnologie, Ecocities, Agroparks, urban farming etc. sichern unsere Zukunft, verlangen aber eine Steigerung des Innovationstempos und der Investitionen, einen „Green New Deal„.

 

Morgen gibt´s noch einen Kommentar dazu, dann können wir gern losdiskutieren 😉

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2 Gedanken zu “Wachstum – Drei Positionen im Vergleich

  1. Pingback: Wachstum: Mehr, grün oder gar nicht – ein Kommentar | Stadt - Wandel - Fluss

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